Schlatzendorf
Ortsteil der Stadt Viechach

Kurzchronik

Die frühere selbständige Gemeinde Schlatzendorf ist heute ein bedeutender Ortsteil der Stadt Viechtach. Die Stadt Viechtach selbst und auch der ehemalige Landkreis Viechtach (auch „Viechtreich“ genannt) liegen zu beiden Seiten des Schwarzen Regens inmitten des Bayerischen Waldes.

Die erste planmäßige Besiedelung unseres Raumes begann wohl im neunten Jahrhundert durch die Rodungs- und Siedlungstätigkeit des Klosters Metten. Die auf „-dorf“ endenden Ortsnamen werden als typische klösterliche Siedlungsgründungen des achten und neunten Jahrhunderts angesehen, weil sie der Wirtschaftsform der Zeit entsprachen.

Der Ort Schlatzendorf wurde im Jahr 1186 nachweislich erstmals in einer Papsturkunde (Urkunde Regensburg-St. Johann 8) als Slæssendorf namentlich erwähnt.

Bei der Namensgebung geht man von einer (Dorf-)Siedlung aus, die nach einer Person mit dem slawischen Namen ٭Slavošь benannt ist. Bei unserem Siedlungsnamen handelt es sich hiernach um einen slawisch-deutschen Mischnamen. Demzufolge liegt dem Namensbestandteil Schlatzen- nicht der althochdeutsche Personenname Salacho (wie dies der Heimatforscher Anton Trellinger vermutete), sondern vielmehr eine gekürzte Form des slawischen Personennamens Slavošь (vgl. alttschechisch Slavoš) zum altslawischen slava mit der Bedeutung ‘Ruhm’ zugrunde (HACKL2006).

Zur früheren Gemeinde Schlatzendorf gehörten neben dem Hauptort fünfzehn weitere Ortsteile: Eging, Enzleinsgrub, Fischaitnach, Harnberg, Huttersberg, Irlach, Pfahl, Pignet, Rannersdorf, Reibenmühle, Schmidweide, Schnitzhof, Schnitzmühle, Stockhof und Zisselsberg.

Die Bevölkerung hat sich vom Jahr 1875 mit 495 Einwohnern bis zum Jahr 2020 auf 1.480 Einwohner durchaus positiv entwickelt.

Im Jahr 1971 wurde nach einer Bürgerbefragung die Gemeinde Schlatzendorf in die Stadt Viechtach eingemeindet.

Im Rahmen einer Ortserneuerung im Jahr 2000 wurden durch die Stadt Viechtach einige bauliche Verbesserungen für unseren Ortsteil durchgeführt. Mit Hilfe einer Dorferneuerungsmaßnahme über das Amt für ländliche Entwicklung ist es in den Jahren 2008 bis 2010 gelungen, einen zentralen Dorfplatz bei der Dorfkapelle zu schaffen und durch weitere bauliche Maßnahmen eine Verkehrsberuhigung zu erzielen.

Heute bietet der Ortsteil Schlatzendorf als bedeutender Wirtschaftsstandort in der Stadt Viechtach ein großes Spektrum an guten Arbeitsplätzen. Ein breites Angebot besteht im Bereich Tourismus: Ferienwohnungen, das Feriendorf Schwarzholz und das Adventure Camp Schnitzmühle mit einem attraktiven Campinglatz direkt am Schwarzen Regen garantieren hohe Übernachtungszahlen. Nicht zuletzt sorgen neue Baugebiete für attraktive Bauplätze für Einheimische und Zugezogene.

Schlatzendorf hat eine lange Geschichte, eine gute Gegenwart und sicher eine lebenswerte Zukunft!

Erich Muhr

Literaturverzeichnis:

HACKL2006: Hackl, Stefan: Die ältesten Ortsnamen im Altlandkreis Viechtach, edition vulpes e.K., Regensburg 2006
Erich Muhr „Schlatzendorf – Dorfgeschichte(n) aus dem Viechtreich“, agentur SSL Grafenau, 2021