Schlatzendorf
Ortsteil der Stadt Viechach

Bericht des Viechtacher Bayerwald-Boten vom 02.11.2021:

Eine "Bibel" über Schlatzendorf

Chronik und Ortsbuch in Einem: Erich Muhr hat neu erschienenes Werk am Sonntag vorgestellt

Im Kreise seiner Familie: Erich Muhr mit seiner Frau Elfriede (von links) und den Kindern Stefan und Bianca. Die Vier haben nicht nur zusammengeholfen, damit Erich Muhr sein 230 starkes Kombi-Werk aus Chronik und Ortsbuch schreiben konnte, sondern gemeinsam auch die Buch-Präsentation vorbereitet und durchgeführt.


Von Daniela Albrecht

Schlatzendorf. Für Dorfsprecher Alois Pinzl jun. gehört „Schlatzendorf – Dorfgeschichte(n) aus dem Viechtreich“ in jeden Haushalt in Schlatzendorf. Für ihn ist das gerade erschienene Werk die „Schlatzendorfer Bibel“. Auf 230 Seiten wird darin nicht nur die Geschichte des Dorfes und seiner Ortsteile erzählt. Es ist auch ein Nachschlagewerk, in dem es Historisches, Aktuelles und auch Kurioses über die Menschen, die Vereine, die Natur und die Kultur Schlat-zendorfs zu entdecken gibt.

Auf diese „Chronik mit wunderbaren Geschichten“ könne Schlatzendorf stolz sein. Stolz seien alle aber vor allem auf den Autor und Herausgeber, „unseren Schlatzendorfer Erich Muhr“, wie Pinzl bei der Buchpräsentation am Sonntagabend im Adventure Camp Schnitzmühle betonte.

Erich Muhr, der frühere 2. Bürgermeister von Viechtach und ehemalige stellvertretende Landrat des Landkreises Regen, hat das Corona-Jahr 2020 genutzt und ein seit Jahren geplantes Projekt realisiert. Er hat eine Chronik und ein Ortsbuch in einem über „seinen“ Ortsteil geschrieben. Er hat dafür in alten Aufzeichnungen, Beschlussbüchern der bis 1971 selbstständigen Gemeinde und in Chroniken von Vereinen recherchiert und mit (früheren) Schlatzendorfern gesprochen.

Herausgekommen ist ein „wertvolles Stück Zeitgeschichte vor der Haustür“, wie Viechtachs 2. Bürgermeister Hans Greil in Vertretung des anwesenden, aber aufgrund einer Erkrankung stimmlosen Stadtoberhaupts Franz Wittmann lobte. Erich Muhr habe „den besonderen Ort Schlatzendorf und seine besonderen Menschen“ in „Schrift und Bild für die Nachwelt erhalten“.

Warum das so wichtig ist, erklärte Landrätin Rita Röhrl in ihrem Grußwort: „Ein Ort verändert sich, Dinge verschwinden, Häuser werden abgerissen, Wege werden neu gebaut, Menschen sterben.“ Irgendwann wisse keiner mehr, wer auf einem Foto abgebildet ist, wie der Ort einmal ausgesehen hat oder wo Betriebe ansässig waren. Erich Muhr habe seit langem die Ge-schichte und Geschichten Schlatzendorfs, die ihm am Herzen liegen, aufgeschrieben, damit sie nicht verloren gehen. Er habe so dafür gesorgt, dass Vergangenes nicht vergessen wird.

Erich Muhr berichtete, wie sein Buch entstanden ist und was es darin zu entdecken gibt.

Erich Muhr erläuterte, wie es dazu kam, dass nach Blossersberg, Schönau und Wiesing nun auch Schlatzendorf eine Ortschronik in Buchform bekommen hat. Die ersten Schritte in diese Richtung sind seinen Worten zufolge eng verbunden mit Jubiläen der 1875 gegründeten Freiwilligen Feuerwehr Schlatzendorf. Zum 100-jährigen Bestehen, das 1976 gefeiert wurde, habe Gemeindeschreiber Xaver Wittmann eine „Chronik von Dorf und Feuerwehr“ verfasst. Und auch zum 125-Jährigen der Feuerwehr im Jahr 2000 gab es eine Chronik.

Doch ein „echtes Buch“ wurde erst jetzt daraus. Dabei waren ihm die Festschriften sowie Kassenbücher der Wehr eine genauso wichtige Quelle wie Zeitungsausschnitte, die Chroni-ken der anderen Viechtacher Ortsteile und weitere Bücher, darunter das von Dr. Stefan Hackl über „Die ältesten Ortsnamen im Altlandkreis Viechtach“. Darin etwa habe Hackl die Jahreszahl der ersten Erwähnung Schlatzendorfs korrigiert. Urkundlich bezeugt gebe es Schlatzendorf seit 1168 und nicht – wie zuvor immer behauptet – seit 1274.

Geschichtliche Daten, (Einwohner-) Zahlen und Fakten, etwa zur Besiedelung, zu einzelnen Höfen oder zur politischen Gemeinde beinhaltet das Buch genauso wie Abrisse zur wirtschaftlichen Entwicklung, zum Bauen und Wohnen, zu kulturellen Aktivitäten, Zeugnissen der Volksfrömmigkeit sowie Bau- und Bodendenkmälern. Ein eigenes Kapitel widmet Erich Muhr Schlatzendorfer Persönlichkeiten wie dem einzigen Ehrenbürger des Dorfes: Anton Zeitlhöfler aus Pfahl. „Keinem Politiker, sondern einem einfachen Menschen, dem Gemeindediener, hat Schlatzendorf eine solche Ehre zuteilwerden lassen“, berichtete Erich Muhr bei der Buchpräsentation.

Niedergeschrieben sind auch einige Anekdoten, etwa dievom Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahr 1961, wonach „6 Mark Vergnügungssteuer“ fällig werden bei einem Preisschafkopfen. Die Begründung des Gremiums dafür lautete, dass „Gesellschaft und Leitschmatz leiden, wenn im Wirtshaus Karten gespielt wird“. Ergänzt wird der fundierte Text mit vielen Bildern, Karten und Grafiken.

Erich Muhr nahm die Buchpräsentation auch zum Anlass, Danke zu sagen. Er habe viele Unterstützer gehabt, betonte er und hob besonders die Stadt Viechtach um Bürgermeister Franz Wittmann und die Verwaltungsmitarbeiter Matthias Wittmann und Florian Voitl, die Tourist-Info um Leiterin Monika Häuslmeier, den Landkreis Regen um Landrätin Rita Röhrl, die Schlatzendorfer Vereine, die Schlatzendorfer und Schlatzendorferinnen selbst und vor allem seine Familie hervor.

All das machte die Gäste der Buchvorstellung sehr neugierig auf „Schlatzendorf – Dorfgeschichte(n) aus dem Viechtreich“. Viele kauften sich „Die Schlatzendorfer Bibel“ gleich am Sonntagabend und ließen sich das Werk von Erich Muhr signieren.

Gern mit Widmung: Damit die „Schlatzendorfer Bibel“ eine persönliche Note bekam, haben viele Käufer, hier Zahnarzt Christian Muhr, ihr Exemplar von Erich Muhr signieren lassen.


INFO:

„Schlatzendorf – Dorfgeschichte(n) aus dem Viechtreich“ von Verfasser und Herausgeber Erich Muhr, Agentur SSLGrafenau, ist erhältlich bei der Buchhandlung Bärbl Vogl und der Tourist-Info in Viechtach sowie bei Erich Muhr in Schlatzendorf.